NEUES

19.09.2015

Festrede Klaus Henne zum Festakt 150 Jahre Sägewerk Streit

Liebe Festgäste aus nah und fern,

Liebe Kunden,

Liebe Waldbesitzer, ob privat, kommunal oder staatlich,

Lieber Landrat Frank Scherer,

Lieber Bürgermeister Manfred Wöhrle,

Lieber Forstpräsident Max Reger,

Lieber Sägewerkspräsident Steffen Rathke,

Lieber IHK-Präsident Stefen Auer,

Liebe Freunde,

Hallo lieber Bertrand,

Hallo lieber Stefan,

Hallo lieber Hermann

und eine Hallo an den Rest von der Crew mit der ich gerne „chille“ – ich glaube so heißt das auf Neudeutsch – wenn ich mal nicht im Sägewerk bin.

Hoffentlich habe ich niemanden vergessen und wenn ja, dann bitte ich mein Versehen zu entschuldigen.

Nach 150 Jahren trifft es nun ausgerechnet mich, der diese Jubiläumsrede zu halten hat. 150 Jahre ist schon ein besonderes Jubiläum, aber das Sahnehäubchen, das noch oben draufkommt ist, dass es seit 150 Jahren die gleiche Familie Henne – Streit ist, die mit ihren Mitarbeitern und Angestellten die Geschicke des Unternehmens leitet.

Ich glaube, das ist wirklich was ganz besonderes, dass mich als geschäftsführender Gesellschafter mit Stolz erfüllt, solch ein Jubiläum mit all Ihnen, liebe Gäste, begehen zu dürfen.

Wir wollen heute mit Ihnen feiern, um Ihnen zu danken, dass Sie dazu beigetragen haben, dass das Sägewerk STREIT seit 150 Jahren erfolgreich ist und bleiben wird.

Dabei soll der Leitsatz unseres Handelns immer wieder sein: den Kunden, den Mitarbeitern und unserer Region zu dienen.

150 Jahre, das ist schon eine verdammt lange Zeit und welche teilweise harten Herausforderungen hat dabei das Sägewerk und meine Vorfahren über diese Zeitspanne bestehen müssen:

Kriege, Weltkriege, Wirtschaftskrisen, persönliche und familiäre Schicksalsschläge.

Um alle diese Herausforderungen bestehen zu können war nicht nur Können und Weitblick gefordert, sondern dazu gehört auch das berühmte Quäntchen „Glück“, das nicht planbar ist.

Doch wie sagt das Sprichwort „Glück dem Tüchtigen“ und tüchtige, engagierte, verantwortungsvolle Menschen waren und sind hier im Betrieb zu Hausach schon immer am Werk gewesen.

Danke an all diese Generationen vor uns, die uns mit ihrer Arbeit und Mut zu dem gemacht haben, was wir heute sind!

Ein Betrieb mit:

-          85 direkten Arbeitsplätzen und ca. 300 Arbeitsplätzen insgesamt

-          einer Einschnittsleistung von ca. 360.000 fm,

-          einer sehr guten Kundenbasis im In- und Ausland,

-          einem sehr guten Verhältnis zu seinen Partnern, den Forst- und Waldwirten,

-          mit einer guten Eigenkapitalausstattung,

-          und guten Perspektiven für die Zukunft dank dem ausgezeichneten Verhältnis zu unseren Kunden.

Aus diesem Grund haben wir auch den Mut Ende Oktober in eine neue Stapel- und Sortieranlage zu investieren, um den Bedürfnissen unserer Kunden auch in Zukunft noch besser gerecht zu werden. 4 Mio. Euro Investitionsvolumen! Diese Investitionsbereitschaft ist in unserer Branche momentan eher ungewöhnlich, da viele Sägewerke einem unaufhaltsamen Strukturwandel – sehr oft auch durch eine fehlgeleitete Subventionspolitik des Staates hervorgerufen – zum Opfer fallen.

In dieser Situation freut mich Ihr zahlreiches Erscheinen um so mehr, da es doch eine Demonstration ist, wie stark und gewichtig die Holz- und Forstwirtschaft in unserem Land Baden-Württemberg ist.

Schade, dass Herr Minister Bonde, den wir selbstverständlich frühzeitig zu unserem so bedeutenden Jubiläum eingeladen haben, das hier nicht miterleben kann!

Zurück zu den wichtigen Dingen: zu unserer Investitionsmaßnahme in eine neue Stapel- und Sortieranlage, da dieser Schritt die ungebrochene Lust vom Sägewerk STREIT und seinen Mitarbeitern auf „Zukunft“ untermauert.

Als Richard STREIT 1865 den Betrieb gründete hatten wir es mit noch mehr als 100 verschiedenen Münz- und Geldarten im späteren Reichsgebiet zu tun. Erst 1871 wurde die Goldmark als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt.

Heute in unserer globalisierten Wirtschaft unvorstellbar. Deshalb gibt es zum Euro auch keine Alternative, denn der Euro ist das Schmiermittel für einen funktionierenden Warenaustausch in Europa und weltweit.

So wie wir für den Euro keine Alternative haben, so gibt es zu Europa keine Alternative, auch wenn dieses fragile Staatsgebilde heute auf eine ungeheuerliche Bewährungsprobe gestellt wird, der Bewältigung der Flüchtlingsströme. Auch hier gibt es keine Alternative. Deutschland geht es gut – so sagt es uns die Politik gebetsmühlenhaft – und so liegt im Zustrom der meist gut qualifizieren Flüchtlinge für uns vielleicht die Lösung unseres demographischen Problems.

Also lassen Sie uns diese Menschen willkommen heißen, wenn sie bereit sind sich unseren Werten anzupassen und nicht umgekehrt.

Und lassen Sie die Menschen bald arbeiten, denn nur so werden die Sozialsysteme entlastet und die Wirtschaft hat die große Chance den Fachkräftemangel zu entschärfen!

 Geschichte hat Tradition bei uns im Kinzigtal.

Das beste Beispiel ist dieser Tisch. Hier sitzen alles Chefs von familiengeführten Unternehmen mit Tradition:

-          BMW Schmid 50 Jahre alt,

-          Kies – Uhl 56 Jahre,

-          Kienzle – Stadtmobilar 61,

-          Büromarkt Streit 64,

-          Ullmann Schreibgeräte 66 Jahre,

-          die Firma Ditter wurde heute genau vor 68 Jahren gegründet,

-          der Eisen – Schmid kann auf 110 Jahren zurückblicken.

Den Rekord hat aber das Gasthaus 3 – Schneeballen inne. Seit 522 Jahren wird der Betrieb von der Familie Neumaier – Gießler geführt. Lieber Alfred, es ist historisch nicht belegt, ob der Firmengründer Richard Streit schon vor 150 Jahren bei Euch Stammgast war, vorstellbar ist es, bei der guten Küche!

All das sind erfolgreiche Beispiele von Unternehmen und Unternehmern, die sich über Jahrzehnte unserer Region verpflichtet fühlen. Durch die vielen Arbeitsplätze vor der eigenen Haustür wird dazu beigetragen unsere Heimat, den ländlichen Raum, attraktiv und lebenswert zu machen.

Dazu gehört auch eine funktionierende Infrastruktur, angefangen von leistungsstarken Bundesstraßen und staufreien Ortsumfahrungen, die die Menschen und Unternehmen miteinander verbinden und nicht nur bestens ausgebaute Radwege zum Nationalpark.

Lieber Frau Boser nehmen Sie diesen Wunsch bitte nach Stuttgart mit, damit sich Ihr Kollege Hermann diesen Missstand der auf unserer Region lastet bewusst wird.

Die mittelständische Industrie, wie sie für unser Tal so typisch ist war schon immer ein verlässlicher Partner, da wir nicht wie mancher Spekulant uns in ein Invest stürzen, weil die staatliche Fördersituation gerade mal günstig erscheint und 10 Jahre später, wenn nichts mehr zurückzubezahlen ist, das Invest und verbrannte Erde zurückgelassen wird.

Wir haben einen Ruf zu verlieren, da man uns auch als Person und Mensch im Tal kennt. Deshalb sind wir berechenbar. Doch gerade in der Sägewerksbranche sind die Spätfolgen staatlicher Eingriffe in den freien Markt durch die Förderung von Großbetriebe in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und den neunen Bundesländern schmerzhaft sichtbar. Erst die über Jahrzehnte verfehlte Förderpolitik des Staates und der EU hat in unserer Branche den Strukturwandel eingeläutet!

Das Sägewerk STREIT hat heute Geburtstag und als Geburtstagskind darf man Wünsche äußern. Lassen Sie mich das stellvertretend für den Betrieb und unserer Branche tun:

Der Nationalpark ist beschlossen, deshalb lassen Sie uns gemeinsam diesen Park zu einer Erfolgsgeschichte für unser Land entwickeln.

Gemeinsam, das ist unser Wunsch und nicht unter dem Ausschluss der Holz- und Forstwirtschaft, die oftmals als Feinde des grünen Gedankentums gelten und somit als Bremser einer angeblichen besseren, schöneren Natur herhalten muss.

Dagegen gilt es sich mit allem Nachdruck zu wehren! Wollten früher alle die Natur beherrschen, geht es heute für alle um die Schonung der natürlichen Ressourcen und darum die Nachhaltigkeit des eigenen wirtschaftlichen Handels unter Beweis zu stellen.

Schonung der Natürlichen Ressourcen und Nachhaltigkeit, diese Worte sind zu Mode- und Marketingwörter verkommen für eine Gesellschaft, die heute eher ein romantisch, verklärtes Verständnis von Natur und Technik hat und Labels und Zertifikate eher Glauben schenkt, als dem eigenen, gesunden Menschenverstand. Wie kann ein Produkt „bio“ und „öko“ sein, wenn es um die halbe Welt gereist ist, obwohl das gleiche Produkt bei uns unter stark reglementierten und kontrollierten Vorgaben angebaut, verarbeitet und auf dem Freiburger Wochenmarkt dann den Konsumenten zum Verkauf angeboten wird, aber vielleicht ohne Bio-Label, das ja nur zusätzliches Geld beim Zertifizierer kostet.

Keine andere Branche, wie die unsrige, steht für das jahrhundertlange Miteinander von Natur und Mensch. Wir pflegen weit länger als 150 Jahre einen nachhaltigen, respektvollen Umgang mit der Ressource Holz und dem Wald, wo dieses Holz in Form Bäumen wächst. Würden wir das nicht tun, würden wir im wahrsten Sinne des Wortes den Ast absägen auf dem wir sitzen. Der Ast ist aber unsere Geschäftsgrundlage! BUND und NABU nehmen Sie das bitte mal zur Kenntnis!

Und noch ein Wunsch an die Verantwortlichen unserer derzeitigen Landespolitik.

Werden Sie sich endlich bewusst, welchen Beitrag die Holz- und Forstwirtschaft zum Wohlstand in unserem Bundesland beiträgt, besonders dort, wo der ländliche Raum noch wirklich ländlich ist.

Der Handel mit Holz hat maßgeblichen Reichtum in unser Land gebracht, davon zeugen die vielen prächtigen Flösserstädte aus den vorigen Jahrhunderten überall in unserem Land.

Selbst heute bedeutet Holz Geld, das wird der Finanzminister und die vielen Stadtkämmerer bestätigen können, deren Kassen auf den jährlichen Mittelzufluss durch den Holzverkauf angewiesen sind.

Deshalb lassen Sie uns zum Wohle aller den heimischen Rohstoff Holz nutzen. Wir hier in Baden-Württemberg sind in Deutschland das an Wald zweitreichste Bundesland. Kann es Sinn und Zweck der Politik sein den Zugang zur heimischen Ressource Holz immer mehr durch die Ausweitung von Schutzgebieten und den Umbau der Wälder zu erschweren und somit die wirtschaftliche Nutzung unattraktiv zu machen? Oder ist das sogar Programm? Holz gibt es ja überall und somit kann man das ja auch über lange Transportwege aus dem Ausland in unser Land holen, wo man den Wald bei unterlassener Nutzung vor lauter Bäumen und Totholz nicht mehr sieht!?

Bitte respektieren Sie in Stuttgart endlich, das Werk, welches von Generationen im Wald und den Sägewerken aufgebaut wurde, genauso wie Sie den Lebensraum des Wolfs, Luchs und des Auerhahns respektieren. Nur das schützt nachhaltig unseren Lebensraum und macht diesen lebenswert.

Auch meine Familie hat über Generationen etwas aufgebaut, das mir vor 20 Jahren anvertraut wurde. „Mach was drauß“ ließ mich damals meine Mutter wissen.

Ich hoffe, dass:

-          meiner hochmotivierten Führungsmannschaft,

-          dem Engagement jedes einzelnen Mitarbeiters,

-          und mir

es gelungen ist aus dem Sägewerk STREIT das Richtige zu entwickeln.

Einen Betrieb der zukunftsfähig ist und attraktiv genug für die nächste Generation.

 Meine Freu Ulla hat mich gewarnt das zu sagen was jetzt kommt, ich mach’s trotzdem!

Ich fange mit einer Phrase an:

„Ein Unternehmer ist nur so stark, wie die Frau und die Familie, die hinter ihm stehen.“

Ich kann jetzt verraten, dass nicht nur eine – meine Frau – hinter mir stand, sondern gleich mehrere und deshalb möchte ich nicht schließen ohne Jessica Braig und meiner Frau Ulla zu danken, die dieses Fest mit vielen internen und externen Helfern gestaltet und organisiert haben.

Danke von ganzem Herzen an Euch alle und Danke an meine Hündin Iva für die vielen Gassis, die für das Fest und meine Rede immer inspirierend waren.

Habt alle viel Spaß beim Feiern und schädigt uns heute Abend so richtig, dann wird das Fest ein richtiger Erfolg.

Wie würde mein Freund Peter sagen: „ Es reut mi nit.“